TEST: Nikon FM2/T


Eine mechanische Kamera im 21. Jahrhundert?

Nikon ist der einzige Hersteller, der noch eine mechanische Kamera herstellt, die kompatibel zu einem modernen System von Autofokusobjektiven ist. Das EOS System von Canon hat keine mechanische Übertragung von der Kamera zu den Objektiven, was verhindert, das es eine EOS-Kamera gibt, die rein mechanisch, das heißt unabhängig von Batterien, arbeitet. Für mich ist dies eines der Hauptargumente für Nikon und gegen Canon.

Dabei bin ich alles andere als technikfeindlich oder altmodisch, wenn ich die Möglichkeit nutze, auf eine mechanische Kamera zurück zugreifen. Die Profikameras F5 und F4 sind sicherlich äußerst robuste und zuverlässige Kameras, denen ich auch allerhand zutrauen würde. Aber beide Kameras funktionieren nur mit Batterien, und auf die kann man sich eben nicht immer verlassen. Bei niedrigen Außentemperaturen verlieren die meisten Batterien deutlich an Leistungsfähigkeit, was oft damit endet, das selbst mit relativ frischen Zellen die Kamera nicht mehr auslöst. Bei der F5 kommt noch der sehr hohe Stromverbrauch hinzu, so dass einem leicht die Batterien ausgehen, die maximal 20 Filme durchhalten. Gerade für die Fälle ist es einfach beruhigend, eine Kamera wie die FM2 dabei zu haben.

Der einzige schwerwiegende Minuspunkt betrifft die Sucheranzeige des Belichtungsmessers. Mittels dreier LEDs (+ o -) wird lediglich unterschieden ob die Belichtung korrekt, um bis zu 0,5 oder um mehr als ein Blendenwert abweicht. Hier wäre eine Lichtwaage, die die genaue Abweichung in Drittelstufen (wie bei F4 oder F5) anzeigt viel nützlicher.

Der größte Vorteil ist die mit dem Selbstauslöser gekoppelte Spiegelvorauslösung. Diese tolle Funktion wird leider nirgends erwähnt, dabei prädestiniert dies die Kamera geradezu für die Makrofotografie.

Die Titan Version unterscheidet sich lediglich im anderen Gehäusematerial, was das Gewicht unmerklich verringert, aber die Robustheit noch ein wenig steigert.

Fazit:

Wenn man auf sämtliche Automatiken verzichten kann, die FM2 besitzt weder Autofokus noch eine Belichtungsautomatik, erhält man eine absolut unverwüstliche Kamera, auf die man sich in jeder Situation verlassen kann. Weil die FM2 auch noch sehr klein und leicht ist, setze ich sie immer dann ein, wenn ich keine Lust zum schleppen einer schweren Kamera habe, was immer häufiger passiert. Meist setze ich das kleine Nikkor 35mm/1,4 oder das kompakte und leichte Reflex Nikkor 500mm/8 an der FM2 ein.

+:

- sehr kompakt und leicht
- extrem robust und zuverlässig
- funktioniert bis auf den Belichtungsmesser auch ohne Batterien
- automatische Spiegelvorauslösung mit Selbstauslöser
- angenehme, übersichtliche Bedienung

-:

- Sucheranzeige des Belichtungsmessers
- ungünstige Form des Gehäuses, wodurch der Umgang mit großen Objektiven unhandlich wird

Kombinationen im Einsatz:

An der FM2 habe ich normalerweise das 35/1,4 angesetzt. Seltener setze ich sie mit dem 500/8 Spiegelobjektiv ein. Beide Kombinationen sind sehr leicht und kompakt. Mit dem 300/2,8 und 80-200/2,8 setze ich die Kamera nie ein, weil sich die schweren Objektive nicht mit der Kamera halten lassen. Das 60mm setze ich noch relativ häufig ein, da ich die FM2 mit ihrer kombinierten Selbstauslöser und Spiegelvorauslösefunktion ideal für Makroaufnahmen halte.

Als Filme bevorzuge ich meist 200er Diafilme, um die Kamera mit dem lichtstarken 35mm bei wenig Licht einsetzen zu können, und andererseits flexibel zu sein, um mit wenig Gepäck noch allgemeine Fotografie betreiben zu können.

Für das 500 mm Objektiv, oder wenn ich auch die F4 im Einsatz habe, verwende ich die Kamera auch mit hochempfindlichen Filmen, vorwiegend Negativ, weil ich dann nicht so genau zu belichten brauche. Nehme ich die Kamera bei schönem Wetter alleine mit auf Wanderungen (mit 35er oder 60er) verwende ich auch 100er Diafilme.


© 2000 Thorsten Hagedorn     -     letzte Aktualisierung: 8.11.2000    Home