TEST: Nikon F5


Die perfekte Kamera?

Mit der F5 habe ich meinen Umstieg vom alten Canon FD System ins Zeitalter des Autofokus begonnen. Bevor ich aber aus dem Schwärmen nicht mehr heraus komme, erst ein mal die Nachteile. 

Nachteile:

Die Kamera ist unheimlich groß und schwer. Dabei lässt sich nicht mal das 8 Mignon Zellen fassende Batterieteil durch ein kompakteres ersetzen.

Der Stromverbrauch ist gigantisch. Die mit der Kamera gelieferten teuren Lithium Batterien, haben neben der anfänglichen Spielerei lediglich für 4 Filme ausgereicht. Heute setze ich 8 NiMH Zellen mit 1800mAh ein, die unter einigen stromsparenden Maßnahmen für fast 20 Filme genügen. Man muss also neben den Filmen auch immer genug Batterien mitschleppen.

Obwohl 80 % meiner Bilder mit der F5 entstehen, und mir das Konzept der zentralen Einstellräder bereits durch meine Canon T90 und A1 geläufig ist, halte ich die Bedienung für nicht intuitiv, und ich muss immer wieder die Kamera vom Auge nehmen, um nach zu schauen, welchen Knopf man jetzt in Verbindung mit welchem Einstellrad drücken muss. Die Bedienung finde ich bei der F4 und der FM2 viel leichter erlernbar und durchschaubarer.

Die Beleuchtung der LCD-Anzeigen muss immer wieder neu aktiviert werden und kann nicht einfach bei Dunkelheit aktiviert bleiben. Die eingespiegelte Blende wird nicht beleuchtet.

Der Hebel für die Spiegelvorauslösung ist bei angesetztem Objektiv kaum erreichbar und schwer zu betätigen, so dass die Funktion praktisch unbrauchbar ist. Dabei ist es auch nicht weiter tragisch, dass diese nur mit manueller Belichtungseinstellung und Fokussierung kombiniert werden kann.

Die Matrixmessung funktioniert nicht mit MF-Objektiven.

Die Sicherung des Hochformatauslösers ist unzureichend. Unverständlich, dass der Hauptschalter durch Drücken einer Verriegelung UND Drehen eines Rades betätigt werden muss, während der kaum benötigte und leicht versehentlich betätigte Zweitauslöser alleine durch Drehen einer Arretierung gesichert ist.

Vorteile:

Nach dem ich doch eine ganze Menge bei den Nachteilen geschrieben habe, möchte ich gleich vorweg nehmen, dass ich die F5 selbst nach dem Erscheinen der Canon EOS 1V nach wie vor für die beste Spiegelreflexkamera halte, die es zu kaufen gibt.

- Belichtungsmessung

Bis heute einzigartig ist die Belichtungsmessung mittels der 3D-Color-Matrixmessung. Dieses aufwendige System, das das Bild in 1005 Felder unterteilt und auch noch die Farbverteilung des Bildes berücksichtigt, schafft es immer wieder, mich mit seiner Präzision zu beeindrucken.

Eigentlich bin ich kein Freund der Matrixmessung, wie sie heute in praktisch allen modernen Spiegelreflexkameras eingesetzt wird. Zwar erhöht dieses System der Belichtungsmessung die Trefferquote im Vergleich zu einer Integralmessung, wenn man sich auf die Automatik verlassen will, jedoch kann man nur schwer vorhersehen, ob die Kamera eine schwierige Lichtsituation bewältigt oder doch nur unzureichend korrigiert. Wann eine Integralmessung an ihre Grenzen stößt, kann man recht schnell erlernen und dann entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen. Bei einer Matrixmessung muss man sich entscheiden, ob man sich darauf verlassen will oder nicht.

Nach über 2000 belichteten Dias, und vielen verschiedenen auch schwierigen Lichtsituationen, kann ich nur über die Trefferquote der Kamera staunen. Sie liegt auf jeden Fall höher, als ich das durch manuelle Korrektur hin bekommen würde. Von den ca.2000 Dias sind lediglich etwa 10 dabei, die ich als nicht korrekt belichtet einstufen würde, das heißt etwa eine Blendenstufe daneben liegt.

Bei schwierigen Lichtsituationen, wie in den folgenden Beispielen, habe ich zusätzlich zu der Automatik auch noch eine Belichtungsreihe in 0,6 Blendenstufen durchgeführt, doch kein Bild war besser belichtet als das durch die Automatik. Das ist wirklich sensationell!

- Handlichkeit

Obwohl  (oder gerade weil?) die Kamera sehr groß und schwer ist, liegt sie ausgesprochen gut in der Hand. Insbesondere zusammen mit großen, schweren Objektiven ist die Kombination gut ausgewogen und lässt weitgehend verwacklungsfreie Aufnahmen zu.

- Verschluss

Dazu trägt auch der enorm sanfte Auslösungsablauf bei, der keine spürbaren Erschütterungen erzeugt und auch das Auslösegeräusch ist gering, was bei der hohen, möglichen Bildfrequenz bemerkenswert ist.

- Autofokus

Der Autofokus ist - insbesondere mit den AF-S Objektiven - sehr schnell und recht zuverlässig. Allerdings hatte ich auch noch keine Canon EOS Kamera zum Vergleichen, sondern kann das nur im Verhältnis zur Vorgängerkamera F4 beurteilen.

- Stromversorgung

Die Kamera kann mit üblichen Mignon-Zellen betrieben werden, die es überall preiswert gibt (auch im Ausland) oder sogar durch Mignon NiMH Akkus, wie ich sie einsetzte.

- PC Anschluss

Mit dem als Zubehör erhältlichen Photo Secretary können die Aufnahme Daten zu jedem Bild auf einen PC übertragen werden. Diese Möglichkeit hat Canon erst mit der EOS 1 V eingeführt. 

- Erweiterungsmöglichkeiten

Mit der Multifunktionsrückwand MF-28 können Daten nicht nur ins Bild, sondern auch auf den Steg zwischen den Bildern einbelichtet werden. Sie erlaubt auch eine Fokusfalle (bei Canon nicht erhältlich) und erweitert die Kamera um einige nützliche Funktionen. Ich würde  empfehlen die MF-28 gleich mit zu kaufen.

- Kleinigkeiten

Es ist möglich den Film auch manuell zurück zu spulen. Das verringert den Stromverbrauch und die Geräuschentwicklung und verhindert Blitze auf den Dias durch elektrostatische Aufladungen bei der automatischen Rückspulung mit  hoher Geschwindigkeit.

- Fazit

Ich bereue den Kauf dieser Kamera nicht. Die gebotene Qualität rechtfertigt den sehr hohen Preis für das Gehäuse. Man bekommt ein sehr robustes und zuverlässiges Arbeitsgerät. Die Belichtungsautomatik mit der 3D-Colormatrixmessung ist so präzise wie bei keiner anderen Kamera. Die erstaunlich hohe Trefferquote bei der Belichtung macht es möglich, sich ganz auf die Automatik zu verlassen, und für kritische oder ganz besonders wichtige Aufnahmen, bietet die Kamera schon ohne weiteres Zubehör eine automatische Belichtungsreihe mit 2, 3 oder mit der Multifunktionsrückwand MF-28 bis zu 9 Bildern an. Die Kamera liegt sehr gut in der Hand, was den Umgang mit großen und schweren Objektiven erleichtert. Störend finde ich das hohe Gewicht, den hohen Stromverbrauch und die nicht intuitive Bedienung. 

Einem Amateur, der nicht wirklich die Vorteile dieser Kamera benötigt, würde ich die Kamera nicht empfehlen. Ich verwende auf den meisten Spaziergängen lieber die FM2, weil sie viel leichter und handlicher ist. Lediglich mit teuren, großen und schweren Profiobjektiven (AF 300/2,8, AF-S 80-200/2,8 oder AF-S 17-35/2,8) macht die Kamera Sinn und dann stört die Größe und das Gewicht der Kamera nicht. Wer vorwiegend mit Normalobjektiv oder anderen kleinen, leichten Objektiven arbeitet, sollte sich eine kleinere und leichtere Kamera aussuchen. 

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© 2000 Thorsten Hagedorn     -     letzte Aktualisierung: 24.11.2000    Home