TEST: Nikon F4


Meine Traumkamera

Als diese Kamera 1988 auf den Markt kam, hatte ich zum ersten mal Grund mein bisheriges Canon System einzumotten. Für mich war das die erste Nikon Kamera, die meine Anforderung an eine Spiegelreflexkamera erfüllte. Allerdings hatte ich damals nicht das Geld, um eine komplett neue Fotoausrüstung anschaffen zu können. Also blieb ich zunächst meiner Canon Ausrüstung treu.

Erst in diesem Jahr hatte ich genug Geld, um mir, die inzwischen nicht mehr gebaute Kamera, zu kaufen. Also entschloss ich mich, den alten Traum zu erfüllen, und kaufte mir eine gebrauchte F4. In der Erwartung, dass die Kamera mit dem 8 Jahre später entwickelten Modell F5 kaum mithalten können würde, wollte ich sie nur im Notfall und mit den von mir seltener benutzten hochempfindlichen Filmen einsetzen.

Um so erstaunlicher, und nicht gerade für Nikon sprechend, die vielen Punkte, die mir an der F4 besser gefallen als an dem Nachfolger F5:

Vorteile der F4 gegenüber der F5:

In zwei wesentlichen Punkten ist die F5 auch deutlich besser geworden:
Die Belichtungsmessung mittels Matrixmessung und der Autofokus zeigen deutlich den Fortschritt, der in erster Linie der Elektronik zu verdanken ist.

Die 5 Feldmatrixmessung der F4 kann nicht wirklich überzeugen. Sie zeigt genau die Charakteristik die meiner Meinung nach typisch für eine gewöhnliche Mehrfeldmessung ist (siehe auch den Test der F5). Überlässt man die Belichtung der Automatik, so erzielt man mit der Matrixmessung eine etwas höhere Trefferquote als mit reiner Integralmessung, aber man weiß nie, welche Situation von der Kamera noch gemeistert wird, und wann man wie stark korrigierend eingreifen muss.

Als erste Profikamera mit Autofokus, kann diese Funktion nicht mehr sein, als wie es damals im Prospekt hieß: "Es ist lediglich ein weiteres Hilfsmittel der F4, verfügbar nach Ihrer Wahl." Im Vergleich zur F5 ist der Autofokus zu langsam und unzuverlässig, aber man kann ja auch jederzeit manuell fokussieren, was ich mit der F4 auch meistens mache.

Die Bedienung ist sehr angenehm. Obwohl diese Profikamera über viele Funktionen verfügt, spendierte Nikon jeder ein eigenes Bedienelement, das auch noch am richtigen Platz liegt. Dadurch kommt man sehr schnell mit der Handhabung der Kamera zurecht auch ohne Anleitung und wenn man sie nur gelegentlich benutzt. 

Mit dem großen Handgriff liegt die Kamera gut in der Hand, aber die Form und vor allem die Oberfläche sind nicht so griffgünstig wie die der F5.

Die Kamera ist sehr groß und auch schwer selbst mit dem kleinen Batterieteil.

Bisher hatte diese Kamera die größte Kompatibilität mit allen Nikkor Objektiven. Neben allen manuellen und Autofokusobjektiven ließen sich sogar die speziell für die F3 entwickelten AF Objektive verwenden. Leider funktioniert die VR Technik (Bildstabilisierung), die mit dem AF 80-400 D eingeführt wurde, nicht mit dieser Kamera.

Die F4 wird zwar nicht mehr gebaut ist aber häufig gebraucht zu bekommen. Es gibt 3 Versionen, die sich lediglich im Batterieteil unterscheiden: F4 mit 4 Mignonbatterien recht kompakt, F4s für 6 Batterien und die F4e mit einem Batterieteil, in dem wahlweise 6 Batterien oder der Nikon eigene Akku eingesetzt werden kann.

Fazit:

Wer noch alte MF-Nikkor Objektive einsetzt, fährt mit dieser Kamera besser als mit der F5. Diese Kamera ist genau so robust und zuverlässig wie die F5 und es gibt sogar noch etwas mehr Zubehör (Langfilmmagazin und mehr Sucherscheiben). 

Will man allerdings überwiegend moderne AF-S Objektive einsetzen, ist die F5 die eindeutig bessere Kamera. Sowohl der Autofokus als auch die Belichtungsmessung sind deutlich besser geworden.

+:

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© 2001 Thorsten Hagedorn     -     letzte Aktualisierung: 2. 1.2001    Home