Erfahrungsbericht:
Nikon D2Xs


 

Kea
Nikon D2Xs,
AF-S 300/2,8 VR,
1/125s, f5,6; ISO 100

 



Atlantik
Nikon D2Xs
AF-S 18-200/3,5-5,6 VR
1/125s, f11, ISO 100

 



Nordspanien
Nikon D2Xs
AF-S 18-200/3,5-5,6 VR
1/90s, f 8, ISO 200

 



Nugget Point
Nikon D2Xs
AF VR 80-400/4,5-5,6
1/200s, f8, ISO 100

 

Italien
Nikon D2Xs,
AF-S 70-200/2,8 VR,
1/350s, f4,5; ISO 200

 

Katze
Nikon D2Xs,
AF-S 300/2,8 VR + TC14E,
1/250s, f5,6; ISO 200

Kaufentscheidung

Nachdem man mir den größten Teil meiner Fotoausrüstung gestohlen hatte, brauchte ich möglichst schnell eine für mich geeignete, sehr zuverlässige Kamera, da ich bald nach Neuseeland reisen wollte. Die Canon EOS 1D Mk III war zu diesem Zeitpunkt praktisch nicht lieferbar, die EOS 1Ds Mk II für mich unbezahlbar und so blieb nur diese Kamera zur Ergänzung meiner Nikon D200 übrig, da ich nicht zwei gleiche Kameras benutzen wollte.

Handhabung
***** = sehr gut (+)

Die Kamera ist sehr groß und schwer, liegt aber wie angegossen in der Hand und läßt sich gerade mit großen, schweren Objektiven sehr angenehm halten. Die Bedienung ist praktisch genau wie bei der D200, so dass sich die D2Xs ideal mit dieser zusammen einsetzen läßt, ohne das man sich umgewöhnen muss. Ich wüßte nicht, wie man die Bedienung einer Kamera mit so vielen Funktionen einfacher gestallten könnte. Nikon übrigens auch nicht, denn leider hat man bei der D3 einige Kleinigkeiten verändert, was allerdings zum Nachteil war. Zusammen mit der D200 ist das die von der Bedienung her beste Kamera, die ich bisher einsetzen konnte.

Die D2Xs macht einen sehr stabielen Eindruck und ist gegen eindringenden Staub und Feuchtigkeit vorbildlich geschütz. Damit ist die Kamera mindesten so unverwüstlich wie eine F5.

 

Belichtung
**** = gut
Für meinen Geschmack sind einige Bilder etwas überbelichtet, was leicht zu ausgewaschenen Lichtern führt. Andererseits ist die Mehrfeldmessung mit den 1005 Bildelementen sehr zuverlässig und ich setze nur ganz selten die Spotmessung ein, oder mache in kritischen Situationen eine Belichtungsreihe, die die Kamera auf Wunsch vollautomatisch anfertigt. Ohne einen direkten Vergleich gemacht zu haben, scheint mir aber die Belichtung der D200 bei hellem Hintergund eher etwas knapper und damit besser zu sein.
Autofokus
*****= sehr gut

Der Autofokus ist deutlich besser, vor allem schneller als bei der D200. Außerdem decken die AF-Meßfelder praktisch den gesamten Bildbereich ab. Hier ist der Unterschied zur D200 am größten und ich würde fast sagen, dass sich alleine hierfür der gewaltige Mehrpreis lohnt.

Bildqualität
**** = gut

Einem ausbelichteten Bild bis zur Größe 30 mal 45 cm sehe ich nicht an, ob es mit der D200 oder der D2Xs gemacht wurde, ebensowenig beim Betrachten eines kompletten Bildes auf einem Monitor oder bei der Projektion. Übrigens muss man schon genau hinsehen, wenn man einen Unterschied zur schon sehr guten Fuji S2 Pro sehen möchte. Der ist aber mit etwas Mühe erkennbar.

Bei hoher Empfindlichkeit also ISO 1600 und 3200, die bei der D2Xs außerhalb des normalen für die ISO-Automatik zur Verfügung stehenden Bereichs liegt, ist das Rauschen nur minimal besser als bei der D200 und schlechter als bei der Canon EOS 1D Mk II. Das Rauschen sieht dem eines körnigen Diafilms ähnlich, was sehr angenehm ist.

Lieferumfang
** =ausreichend

Capture NX - ein leider sehr langsam arbeitender RAW-Konverter - wird NICHT mitgeliefert und kostet 150 Euro zusätzlich. Die Software zur Fernsteuerung der Camera kostet weitere 150 Euro! Ein ordentlicher breiter Kameragurt liegt bei. Ansonsten gibt es einige Kabel, ein gedrucktes Handbuch und übliche Software, die auch im Internet kostenlos erhältlich ist.

Pro & Kontra

+:

  • sehr schneller und zuverlässiger Autofokus,
  • Die AF-Felder decken praktisch das gesamte Bildfeld ab,
  • trotz sehr vieler Funktionen vorbildlich einfache und übersichtliche Bedienung,
  • sehr robust und gut gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt,
  • der mitgelieferte Lithiumionen-Akku hält sehr lange: weit über 1.000 Fotos sind möglich,
  • ...

-:

  • sehr kleiner voll nutzbrarer Empfindlichkeitsbereich (ISO 100-800),
  • keine einblendbaren Gitterlinen wie bei der D200 oder D300,
  • keine Sensorreinigung,
  • schlechtes Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten (Canon D1 Mk II ist deutlich besser),
  • Vergleichsweise kleiner Dynamikumfang führt leicht zu überstrahlten Bildberreichen,
  • vernünftiger RAW-Konverter und Fernsteuersoftware gehören nicht zum Lieferumfang
  • ...

Fazit

Die Kamera habe ich nur gekauft, weil ich schnell einen Ersatz für meine gestohlene Fotoausrüstung für meine Neuseelandreise benötigt habe. Auch heute noch bin ich davon überzeugt, das die Kamera für die gebotene Leistung einfach zu teuer ist. die Kameratechnik ist großartig und übertrifft eigentlich in allen Punkten eine Nikon F5. Der Sensor ist aber einem Top-Modell nicht würdig. Der nutzbare ISO-Bereich und der Dynamikumfang sind zu gering und damit auch die Bildqualität deutlich schlechter als bei den vergleichbaren Canon-Modellen. der Hauptvorteil gegenüber der Nikon D200 liegt in dem besseren Autofokus und dem etwas robusteren Gehäuse. Heute setze ich die Kamera als Zweitgehäuse neben der D3 - vorzugsweise im Telebereich ein, wo der DX-Sensor einen kostenlosen "Brennweitenverlängerungsfaktor" bei gleicher Auflösung wie die D3 bietet. Seit März 2007 bis heute (Januar 2009) habe ich mit der D2Xs ca 22.000 Fotos belichtet.


2009 Thorsten Hagedorn     -     letzte Aktualisierung: 26.1.2009