Erfahrungsbericht:
Fujifilm FinePix S2 Pro


 

Gibraltar
S2, AF-S 17-35/2,8 D
 f:8; 1/250s; ISO 100

 

Garzalema
S2, AF-S 80-200/2,8 D
 f:5,6; 1/125; ISO 100

 

Spanien
S2, AF-S 80-200/2,8 D
 f:8; 1/350s; ISO 100

 



Kormorane
S2, AF-S 80-200/2,8 D
 f:2,8; 1/1000s; ISO 800

 



Segovia
S2, AF-S 17-35/2,8 D
 f:8; 1/180s; ISO 100

 



Fichten
S2, AF-S 17-35/2,8 D
 f:2,8; 1/45s; ISO 1600

 



Hausrotschwanz
S2, MF 600/4
 f:4; 1/500s; ISO 100

 



Bachstelze
S2, MF 600/4
 f:4; 1/500s; ISO 100

 



Tommy
S2, AF-S 80-200/2,8 D
 f:2,8; 1/90s; ISO 200

 



Vorspanneiche
S2, AF 80-400/4,5-5,6 VR
 f:4,5; 1/30s; ISO 800

 



Pieper
S2, AF 80-400/4,5-5,6 VR
 f:8; 1/350s; ISO 800

 

 

Kaufentscheidung

Nach dem ich eine digitale Kompaktkamera (Canon Ixus 330) besaß und von deren Bildqualität begeistert war, wartete ich darauf, dass es eine digitale Spiegelreflexkamera gab, die mindestens 6 Millionen Pixel liefert und dabei weniger als 3.000 € kostet, was dem entspricht, was ich sonst in zwei Jahren für Filme und Entwicklung ausgebe.

Im Jahr 2002 war es soweit und mit der Nikon D100, der Fujifim FinePix S2 Pro und der Canon D60 erschienen drei Kameras, die meinen Anforderungen entsprachen. Da ich bereits eine Nikon Ausrüstung besaß, kam eine Canon Kamera nicht ernsthaft in Betracht. Die beiden Kameras von Nikon und Fuji waren zwar nicht voll kompatibel zu allem Nikonzubehör aber zumindest passten die Objektive mechanisch an die Gehäuse und konnten mit Einschränkungen verwendet werden. Die Nikon D100 funktionierte nicht mit den beiden Blitzgeräten von Nikon, die ich besaß (SB28 und SB29), was letztlich zur Entscheidung für die Fujikamera führte, deren Bildqualität laut einigen Tests im Internet auch leicht über der der D100 lag.

Obwohl die Kamera bereits im Januar 2002 vorgestellt wurde, war sie bis zum Jahresende in Deutschland kaum zu bekommen, so dass ich die Kamera letztlich aus dem Winterurlaub in Spanien mitgebracht habe.

Handhabung
**** = gut

Die Kamera beruht auf der Nikon F80, die Nikon seit dem Jahr 2000 als analoge Amateurkamera anbietet. Ich kannte die F80 nur aus dem Prospekt. Die technischen Daten und die Ausstattung der Kamera schienen mir für die meisten Anwendungen ausreichend und ich hatte die F80 oft zum Kauf empfohlen, da sie ein gutes Preisleistungsverhältnis bietet. Fuji hat neben dem CCD-Sensor die Rückwand mit Bildschirm und einigen Bedienelementen und ein Batteriefach unter dem Gehäuse beigesteuert. Diese Zweiteilung der Kamera in Kameratechnik von Nikon und Digitalteil von Fuji findet sich auch in der Bedienung wieder, was aber kein Nachteil ist.

Die Bedienung ist logisch und schnell zu durchschauen. Dabei bietet die Kamera alle wesentlichen Funktionen ohne überfrachtet zu sein. Lediglich eine Spiegelvorauslösung habe ich vermisst.

Leider fühlt sich die Kamera richtig billig an. Sie liegt zwar einigermaßen gut in der Hand, der nicht optimal geformte Handgriff ist aber nicht gummiert und besteht wie das ganze Gehäuse aus billig wirkendem Kunststoff. Ich hatte ständig Angst um die Kamera, wenn ich sie zusammen mit der sehr robusten und schweren F5 um den Hals hängen hatte und die beiden Gehäuse gegeneinander stießen. Die Bedienelemente (Knöpfe und Einstellräder) sind nicht gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt.

Die Zweiteilung der Kamera geht sogar soweit, dass die Kameratechnik und der Digitalteil von unterschiedlichen Energiequellen versorgt werden. Zwei sehr teure CR123A-Lithium-Batterien versorgen die Kamera (Verschluß, Blitz, Belichtungsmessung und Autofocus). Leider können diese Batterien nicht durch Akkus ersetzt werden. Der Digitalteil wird von vier AA-Batterien oder Akkus gespeißt. Sind die Kamerabatterien leer, funktioniert die Kamera nicht mehr. Nimmt man die verbrauchten Batterien aber aus der Kamera, so versorgen die vier AA-Akkus auch die Kamera mit Ausnahme des eingebauten Blitzgerätes. Ich habe die Kamera immer ohne diese Batterien eingesetzt.

Belichtung
*** = befriedigend
Die Belichtungsmessung erfolgt leider nicht mit den 1005 Bildelementen wie bei der F5 sondern mit einer nur 10 Felder umfassenden Mehrfeldmessung, die aber bei entsprechenden Objektiven auch die Entfernungsinformation berücksichtigt. Die Belichtung ist damit nicht ganz so zuverlässig wie die der F5 aber deutlich besser als bei der F4. Ich hatte so gut wie nie fehlbelichtete Aufnahmen bei der Verwendung von AF-Objektiven. Zusätzlich zur Mehrfeldmessung steht auch noch eine Spotmessung oder mittenbetonte Integralmessung zur Verfügung. Die Blitzbelichtungsmessung erfolgt mit einem eigenen Sensor, der nur 5 Felder verwendet. Dadurch ist es möglich auch mit älteren Nikon Blitzgeräten TTL-Blitzautomatik zu verwenden. Letztlich der Grund, warum ich mir die S2 gekauft habe. Leider funktioniert die Belichtungsmessung nur wenn sich in den Objektiven eine CPU befindet. Die älteren manuellen Objektive von Nikon lassen sich zwar an der Kamera anschließen es erfolgt aber keinerlei Belichtungsmessung und man kann die Objektive nur mit manueller Belichtungseinstellung verwenden. Das ist einer der größten Nachteile dieser Kamera. Deshalb vergebe ich auch nur die Note befriedigend für die Belichtungsmessung.
Autofokus
* = mangelhaft

Der Autofokus ist der enttäuschendste Punkt bei der Kamera. Der Autofokusmotor ist sehr viel schwächer als bei der F4 oder F5, so dass die Scharfeinstellung deutlich länger braucht, außerdem ist der AF sehr unzuverlässig und praktisch nicht in der Lage einen Vogel im Geäst eines Baumes zu fokussieren. Selbst die uralte F4 stellt deutlich schneller und wesentlich zuverlässiger scharf. Da ich sehr oft Vögel im Flug oder auf Ästen sitzend fotografiere, ist die Kamera für mich kaum geeignet. Das ist der Hauptgrund dafür, dass ich mich sehr schnell um einen Ersatz der Kamera bemüht habe.

Bildqualität
*** = befriedigend

Alle bisherigen Punkte beziehen sich lediglich auf die Kameratechnik und sollten auch für die F80 Gültigkeit haben. Der Punkt Bildqualität wäre bei einer Analogkamera durch einen Filmtest abzudecken. Während man also durch Auswahl eines anderen Films wesentlich Einfluss auf die Bildqualität nehmen konnte, muss man bei einer Digitalkamera mit dem eingebauten Chip und der nachgeschalteten Elektronik zur Bildverarbeitung leben. Daher ist dieser Punkt sehr wichtig, wenn nicht sogar der wichtigste Punkt einer Digitalkamera.

Anfangs habe ich die S2 als Zweitkamera neben der F5 eingesetzt. Mit ihrem 1,5-fachen Brennweitenverlängerungsfaktor sind keine echten Weitwinkelaufnahmen möglich und aus meinem Lieblingsobjektiv 17-35/2,8 wird ein ungünstiges Normalzoomobjektiv mit einem 26-53mm Brennweite entsprechenden Bildwinkel. Daher setzte ich die S2 vorwiegend im Telebereich ein, während ich für Weitwinkelaufnahmen weiter die F5 eingesetzt habe. Somit kann ich auch die Bildqualität mit der von Diafilmen vergleichen. Wenn es um die reine Auflösung geht, sind auf guten Diafilmen wie dem Kodachrom 64 oder dem Fuji Provia 100F mehr Einzelheiten zu erkennen als auf den Digitalbildern mit einer Auflösung von 6 MP. Allerdings bewegt man sich dann in einem Bereich bei dem auch die Kornstruktur der Diafilme sichtbar wird, während auf den Digitalbildern bei ISO 100 praktisch kein Rauschen (vergleichbar der Körnigkeit) zu erkennen ist. Die Qualität der Farben ist gleich, wobei man auf die Farben beim Konvertieren der RAW-Daten leicht Einfluss nehmen kann.

Bei höherer Empfindlichkeit sind die Digitalbilder einem Diafilm haushoch überlegen! Bei ISO 400 sind die Farben und die Auflösung praktisch gleich gut wie bei ISO 100, allerdings beginnt das Bild in gleichmäßigen, dunklen Bereichen leicht körnig zu werden. Nach meiner Erfahrung ist aber selbst ein Digitalbild bei ISO 1600 besser als eines mit einem 400er Diafilm aufgenommenes Bild. Zwar ist jetzt Rauschen erkennbar, aber deutlich weniger störend als bei den hochempfindlichen und teuren Diafilmen.

Der einzige kleine Kritikpunkt bei der Bildqualität betrifft das Rauschen in extrem dunklen Bereichen, das leider eine senkrecht verlaufende Streifenstruktur aufweist und nicht zufallsverteilt ist wie bei einem Film. Erkennbar wird diese Struktur aber nur beim starken nachträglichen Aufhellen dunkler Bereiche aus den RAW-Dateien.

Leider gab es nie ein Firmwareupdate von Fuji, das der Anwender selbst aufspielen könnte. So kann die Kamera heute keine CF-Karten mit mehr als 2 GB Speicherplatz benutzen und um eine Inkompatibilität mit dem Nikon AF-S VR 18-200 DX Objektiv zu beseitigen, muss die Kamera eingeschickt werden.

Lieferumfang
** = ausreichend

Mitgeliefert werden ein Trageriemen, einige Kabel und ziemlich nutzlose und schlechte Software. Es wird kein vernünftiger Gehäusedeckel mitgeliefert und einen brauchbaren RAW-Konverter muss man für viel Geld zusätzlich erwerben.

Pro & Kontra

+:

  • sehr gute Bildqualität,
  • höhere Auflösung als vergleichbare 6MP - Kameras (Canon D60 oder Nikon D100),
  • bei ISO 800 noch gute Bildqualität und erträgliches Rauschen,
  • zur Not auch bis ISO 1600 einsetzbar, bei verstärktem Rauschen aber immer noch besserer Bildqualität als bei 400er Diafilmen,
  • leicht erlernbare logische Bedienung,
  • TTL-Blitzmessung mit älteren Blitzgeräten,
  • in den Sucher einblendbare Gitterlinien,
  • FireWire-Anschluß.

-:

  • billig wirkendes nicht abgedichtetes Gehäuse,
  • keine Gummiarmierung,
  • schlechter, unzuverlässiger und langsamer Autofokus,
  • keine Belichtungsmessung mit Objektiven ohne CPU,
  • doppelte Stromversorgung darunter teure Lithiumbatterien,
  • interner Blitz funktioniert nicht ohne Lithiumbatterien,
  • Die 4 AA-Akkus halten nur für ca. 100 Bilder,
  • das Rauschen des Sensors ist als Streifen in den Bildern erkennbar,
  • keine Spiegelvorauslösung,
  • kleines Sucherbild,
  • Wahl der ISO-Empfindlichkeit etwas umständlich,
  • Software (RAW-Konverter) muss extra gekauft werden und ist schlecht,
  • nur 2 Bilder pro Sekunde in Serienbildaufnahme,
  • recht große (schlecht komprimierte) RAW-Dateien,
  • keine vom Benutzer selbst einspielbare Firmewareupdates,
  • kann keine CF-Karten mit mehr als 2Gb Speicherplatz benutzen.

Fazit

Die drei schwerwiegenden Nachteile der Kamera:

langsamer und unzuverlässiger Autofokus,
keine Kompatibilität mit meinen manuell zu fokussierenden Objektiven und
das klapprige nicht abgedichtete Gehäuse

haben dazu geführt, dass ich die Kamera so schnell wie möglich durch eine Nikon D200 ersetzt habe.

Die Bildqualität der Kamera ist nach wie vor sehr gut und war kein Anlaß, die Kamera nach vergleichsweise kurzer Zeit durch eine neue Kamera zu ersetzen. Ich habe mit dieser Kamera von Anfang 2003 bis Mitte 2005 ca. 12.000 Fotos belichtet. Seit dem ich die Nikon D200 besitze, benutze ich die S2 nicht mehr.


2008 Thorsten Hagedorn     -     letzte Aktualisierung: 02.03.2008