Erfahrungsbericht:
Nikon AF-S VR 70-200 mm 1:2,8G IF-ED


 

 


Sorano
D2Xs
AF-S VR 70-200/2,8
f:5,6; 1/125s

 

 


Verdun
D2Xs
AF-S VR 70-200/2,8
f:5,6; 1/250s

 

 


Riomaggiore
D2Xs
AF-S VR 70-200/2,8
f:5,6; 1/250s

 


Baum
D3
AF-S VR 70-200/2,8
f:8; 1/320s

 


Regen
D2Xs
AF-S VR 70-200/2,8
f:4; 1/100s

Kaufentscheidung Nachdem ich das AF-S 80-200/2,8 verkauft und durch das AF 80-400/4,5-5,6 VR ersetzt hatte, musste ich feststellen, dass in einigen Situationen die höhere Lichtstärke einfach notwendig ist. Als ich das Objektiv dann mal bei Nikon in Düsseldorf ausprobieren durfte, war ich von der angenehmen Form und Gewichstverteilung begeistert.
Abbildungsqualität:
Schärfe und Kontrast
DX: ***** = sehr gut
FX: *** = befriedigend

Normalerweise gehören die Zoomobjektive im Bereich 70/80 bis 200/210 mm Brennweite mit hoher Lichtstärke bei jedem Objektivproduzenten zu den qualitativ besten Zoomobjektiven, da praktisch jeder ernsthafte Fotograf ein solches Objektiv besitzt. So verwundert es nicht, dass das Objektiv bezüglich der Schärfe und Kontrastleistung selbst bei offener Blende an meiner D2Xs zu den besten Objektiven gehört, die ich besitze und das das Auflösungsvermögen des 12-Megapixelsensors nicht voll ausschöpft. Durch die messerscharfen und kontrastreichen Kanten, die das Objektiv produziert, wird aber auch eine Schwäche des Objektivs deutlich sichtbar. Der Farbfehler ist nicht komplett korrigiert und so treten rote und blaue Ränder auf, die aber von Nikons Raw-Konverter Capture NX nahezu vollständig korrigiert werden.

Leider ist dieses Objektiv nur eingeschränkt an der neuen D3 mit dem Vollformatsensor einsetzbar. Das Bildzentrum ist zwar nahezu perfekt, zumal die chromatische Abberation (Farbfehler) bereits in der Kamera korrigiert wird, die Bildecken sind aber so schlecht wie bei kaum einem anderen meiner Objektive. Es scheint fast so, als wäre das Objektiv nur für das kleinere DX-Format entwickelt worden. Selbst abblenden verbessert die Qualität der Bildecken kaum.

Helligkeitsverteilung
*** = befriedigend

Die Helligkeitsverteilung ist zwar deutlich besser als beim Vorgänger AF-S 80-200/2,8, gehört aber an der FX-Kamera nach wie vor zu den schlechtesten meiner Objektive. Auf einigen meiner Fotos fällt die Vignetierung deutlich auf und muss dann per Software korrigiert werden. Für ein so teures Objektiv etwas enttäuschend.

An den DX-Kameras hingegen tritt praktisch keine Vignetierung auf.

Verzeichnung
**** = gut
An der D2Xs konnte ich noch keine Verzeichnung beobachten und mit der D3 habe ich zu wenige Bilder gemacht, um das beurteilen zu können.
Streulicht
**** = gut
Dank effektiver großer Bajonettgegenlichtblende, hatte ich mit Streulicht oder Geisterbildern kaum Probleme. Lediglich, wenn die Sonne direkt auf die Frontlinse scheint oder mit auf dem Bild ist, treten sehr selten Kontrastminderungen und nur unauffelige Reflexe auf.
Handhabung
**** = gut
Vergleicht man die technischen Daten bezüglich Abmessungen und Gewicht des 70-200 mit denen des Vorgängers AFS-80-200, so sind die Unterschiede sehr gering. In der Handhabung an der Kamera ist dieses Objektiv aber subjektiv viel angenehmer zu benutzen. Zusammen mit der sehr großen und dadurch sehr effektiven Gegenlichtblende hat man ein sehr langes Rohr an der Kamera und fällt damit garantiert auf. Leider ist das Objektiv zu lang für eine meiner Fototaschen. Sowohl der AF- als auch der Zoomring sind sehr angenehm zu bedienen. Das Objektiv ist vorbildlich gegen Staub und Feuchtigkeit geschützt. Es besitzt keinen Blendenring und kann daher nicht mit älteren Nikonkameras benutzt werden.
Autofokus
***** = sehr gut
Der Autofokus arbeitet extrem schnell und zuverlässig. Außerdem läßt sich der Einstellbereich begrenzen, was es zu einem der am schnellsten fokusierenden Objektiv in meinem Besitz macht. Mit Konvertern ist der Autofokus zwar meklich langsamer, aber immer noch wesentlich schneller als das AF 80-400 VR.
Bildstabilisierung
***** = sehr gut
Die Bildstabilisierung ist deutlich besser als beim AF 80-400 VR. Problemlos lassen sich Aufnahmen mit 1/60 oder 1/30 Sekunde bei 200mm Brennweite machen und die Trefferquote ist viel höher als beim 80-400 VR. Wie bei Nikon üblich erkennt das Objektiv gewollte Schwenkbewegungen beim Mitziehen automatisch.
Lieferumfang
**** = gut
Im Lieferumfang sind eine brauchbare Objektivtasche aus Nylon und die sehr effektive Gegenlichtblende enthalten.

Pro & Kontra

+ :
  • im DX-Format: mit Festbrennweiten vergleichbare, hervorragende Abbildungsqualität ,
  • im Lieferumfang sind Gegenlichtblende und Köcher enthalten,
  • deutlich ausgewogenere Gewichtsverteilung und angenehmer zu halten als der Vorgänger AF-S 80-200/2,8,
  • guter VR, der ohne umzuschalten ein Mitziehen erlaubt,
  • sehr schneller und leiser Autofokus

- :

  • groß und schwer,
  • sehr lang,
  • teuer,
  • nicht an älteren Nikonkameras verwendbar (G-Typ),
  • an Vollformat (FX) Kameras mißerable Abbildungsqualität in den Bildecken,
  • an Vollformat (FX) Kameras gelegnetlich deutlich Vignettierung erkennbar.

Fazit

Wieder einmal bin ich von einem Telezoomobjektiv von Nikon ziemlich enttäuscht. Während das Objektiv an den DX-Kameras D2Xs und der D200 außergewöhnlich gute Ergebnisse liefert und lediglich die kleine chromatische Abberation negativ auffällt, ist die Leistung an einer Vollformatkamera wie der D3 oder D700 erschreckend schlecht. Die Bildecken sind so unscharf wie bei keinem anderen meiner Objektive. Außerdem treten häfig starke Vignettierungen auf. Nikon hätte das Objektiv besser als DX-Objektiv verkaufen sollen. Dafür ist es dann aber viel zu teuer und auch zu groß. Für den Preis hätte ich wesentlich mehr erwartet.

Weitere Tests dieses Objektivs mit Meßdaten oder Beispielfotos finden sich hier:
www.dpreview.com
www.slrgear.com
www.photozone.de


© 2008 Thorsten Hagedorn     -     letzte Aktualisierung: 26.10.2008